Euroglide 2018: Bilanz

32:55 Stunden, 2467 km

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Euroglide 2018, Tag 6: Grande Finale

Flug

Am Samstag morgen hatten wir endlich wieder gut geschlafen. Es geht doch nichts über unser Hotel unter dem Flügel! Am Flugplatz Baden-Oos war bis 10 Uhr morgens nichts los. Wir haben das Flugzeug startklar gemacht. Gestern war noch eine holländische Mannschaft mit einem Duo Discus gelandet. Laut Reglement darf dieser vor uns starten. Kurz vor zehn stieg dann die Betriebsamkeit am Flugplatz stark an. Einer der beiden ansässigen Vereine hatte ein Schnupperfliegen mit unzähligen Interessenten veranstaltet. So wurden wir mehrmals ganz freundlich gefragt, ob wir auch Teilnehmer sind. Beinahe hätten wir einen Pausentag eingelegt und einen Tag als Fluglehrer ausgeholfen. Beim ansässigen Verein bekamen wir auch einen Kaffee. Die Wetterentwicklung sah morgens schon ganz gut aus, allerdings mit noch sehr tiefer Basis, geschätzt auf ca. 1000 m. Angesichts der Höhe des Schwarzwalds ist das nicht sehr hoch. Die Jungs und Mädels von den beiden ansässigen Vereinen zogen unseren Flieger zum Start und unterstützen uns, wo es nur ging. Langsam näherte sich eine Abschirmung von Nordwest, welche der Thermikentwicklung gefährlich wurde. Die holländische Duo-Discus Crew wurde als erster um ca. 11 Uhr geschleppt und kam weg. Als die Schleppmaschine wieder am Boden war, war die Abschirmung schon über uns und nahm die Sonneneinstrahlung weg. Auf dem Satellitenbild war zu erkennen, dass dies der einzige Fleck weit und breit war, der abgeschattet war. Wir ließen uns trotzdem schleppen, in der Hoffnung, dass die Böden noch warm waren und die Thermik erst später abschwächte. Aber leider soffen wir sang- und klanglos ab und landeten nach 20 Minuten wieder in Baden-Oos. So mussten wir wohl oder übel abwarten, bis es wieder losging. Um 13 Uhr hingen wir wieder hinter der Schleppmaschine und investierten ein paar Bonus-km für einen höheren Schlepp. Die Basis war anfangs auf 1300m, nicht gerade Komforthöhe. So hangelten wir uns langsam von Wolke zu Wolke nach Süden Richtung Wende Hütten-Hotzenwald, was mäßig zuverlässig ging. Bei Freiburg stachen wir in ein Wespennest von wild umherfliegenden Paragleitern und Drachenfliegern in unterschiedlichen Höhen, einige auch schon im Dunst der Wolken oder aus der Wolke rausfallend. Also nichts wie weg hier. Angesichts unserer Rest-Bonuskilometer konnten wir hier schon wenden und flogen Richtung Norden mit Kurs Venlo. Die Bedingungen wurden langsam aber stetig besser. Wir flogen an Karlsruhe vorbei und verließen den Schwarzwald in den Kraichgau. Bei Speyer querten wir den Rhein. Man konnte die Freiluftausstellung des Technikmuseum Speyer inklusive der riesigen Boeing 747 gut erkennen. Brezn war dort im März zu Besuch und hielt einen Vortrag beim Wintertreffen der Oskar Ursinus Vereinigung . Die Steigwerte waren in der Rheinebene hervorragend, wir kamen flott voran. Der Einstieg in den Pfälzer Wald wurde uns durch Überentwicklungen erschwert. Zudem resettete sich unser Navigationssystem beim Umschalten auf den anderen Akku, was uns einiges an Rekonfigurationsaufwand bescherte. Wir hangelten uns zwischen den Lufträumen Frankfurt und Frankfurt-Hahn durch. Die Überentwicklung nahm ab, ebenso die Cumulusbewölkung. Langsam aber sicher wurde es Blau. Dafür nahm auch noch der Gegenwind von anfangs 15 km/h auf 30 km/h zu, genau von vorne. Und es war schon spät, wir waren dort gegen 17:30. Wir überquerten die Mosel bei Koblenz unter ein paar schwachen Flusen, die uns nicht viel Höhe verlieren ließen. Hinter dem Nürburgring fanden wir einen 1,5 Meter-Bart, der uns in Reichweite der ersten Wolken brachte, die am Horizont zu erkennen waren. Aus näherer Entfernung entpuppten sich diese als Wolkenstraße, die vom Kraftwerk Weißweiler bei Aachen ausgelöst wurden. Gute Steigwerte brachten uns nahe der Endanflugreichweite von Venlo. Irgendwie hat aber unser Rechnersystem unrealistische, zu Konservative Endanflughöhen angezeigt, vermutlich durch den Reset ein paar Stunden zuvor. Aber der satte Gegenwind erschwerte eine Gefühlsabschätzung. Also nochmal durch die Menüs gequält. Nach einigen Minuten war der Fehler gefunden. Die Höhe reichte wie gedacht locker! Also nichts wie los. Kurz überlegten wir, ob wir noch vor Venlo Höhe erkurbeln sollen und nach dem Finish im Segelflug zurück nach Aachen fliegen sollten. Aber wir wollten ja nicht noch von der Konkurrenz überholt werden. Also weiter. Um 19:30 Lokalzeit überquerten wir nach einer total genialen Woche mit Hammer – Flügen quer durch Europa die Ziellinie über dem Flugplatz Venlo. Kurz versuchten wir noch einen Aufwind auszugraben, aber es war zu spät. So flogen wir im Motorflug zurück nach Aachen. Dort wurden wir von zahlreichen Freunden empfangen, alle freuten sich mit uns. Schnell wurde der Flieger ausgeräumt und gesichert. Danach ging es ab in die Stadt zum Feiern mit den Freunden von der Flugwissenschaftlichen Vereinigung Aachen. Wie spät (oder früh) es wurde, verraten wir nicht..

Am Sonntag haben wir dann den Flieger grundgereinigt, abgerüstet und noch einen kleinen Schaden am Seitenruder repariert, der durch die Hängerfahrt verursacht wurde. Heute Montag fliegen wir noch eine kleine Runde mit Jonas RF 5, danach geht es für Brezn wieder zurück nach München. So blicken wir zurück auf eine geniale Woche voller erlebnisreicher Flüge in für uns teilweise unbekannten Landschaften. Und auf viele tolle Menschen, die wir auf unserer Reise getroffen haben, die uns mit unglaublicher Hilfsbereitschaft unterstützt haben. Besonders danken wir Holle für die kriegswichtigen Infos aus dem „Mission Control Center“ und Tim für die total verrückte und coole Hängerrallye.

Wir freuen uns schon auf die nächste Euroglide! Bis dahin!

Brezn und Jona

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Treffen am Freitag Abend mit Welle und VAT von der Akaflieg Karlsruhe in Baden-Oos
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Nach dem Aufstehen am Samstag
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Die Fliegergruppe Gaggenau beim Vorbereiten des Schnupperfliegens
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Groundhandling von unserem Schiff
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Schnupperfliegen in Baden-Oos
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Nicht allzu hoch über dem Schwarzwald
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Flugplatz und Technikmuseum (oben) Speyer
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Die Mosel bei Koblenz
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Nürburgring Nordschleife
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Überglücklich nach dem Finish beim Rückflug nach Aachen-Merzbrück
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Zuhause
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Anstrengende Woche…
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Beim Abrüsten am Sonntag

Euroglide 2018, Tag 5: Thunderstuck

Gestern sind wir noch gut in der Werkstatt der Akaflieg Karlsruhe angekommen. Es folgte ein herzliches Wiedersehen mit den Freunden aus der Akaflieg. Wir bekamen direkt kurz nach Mitternacht noch eine Werkstattführung und durften den Projektfortschritt der AK-X bewundern – siehe http://www.akaflieg-karlsruhe.de

Die von uns spontan durchgeführte Bauprüfung konnte ohne Beanstandungen abgeschlossen werden und wir legten uns in die extra vom Dachboden heruntergeholten Alu-Feldbetten. Leider knarzten die bei jeder Bewegung und wir weckten uns immer wieder gegenseitig. Die Nacht war also nicht so erholsam. Wir wachten bei 8/8 Bewölkung und tiefliegender Basis auf. Noch schnell zum Bäcker und Frühstück holen. Um kurz nach 8 Uhr rief der Schlepper, Erich aus Baden Oos an. Er war zwar sehr skeptisch ob unseres Vorhabens, bei momentan völlig unfliegbarem Wetter Flugbetrieb zu organisieren, aber er sagte zu. Yes, alle Schalter auf Go. Also, schnell Anhänger ans Auto dran und ab auf den Flugplatz. Während der Autofahrt sahen wir, dass die Sonne durchscheinte, und aus dem grauen Stratuswolkengewirr am Himmel sich 7/8 Cumuli mit langsam ansteigender Basis formte. Also schnell. Dort angekommen wurde sogleich aufgerüstet und das Flugzeug startklar gemacht. Brezn hat leider beim Aufrüsten noch das Anhängerschloss abgerissen. Der Hänger ließ sich auch nicht mehr verriegeln. Tim wurde, weil er der schlankste von uns ist in den Hänger eingesperrt und verriegelte den Hänger provisorisch von innen. Er musste über die Bugklappe wieder raus. Mit den ärgsten Verrenkungen haben wir ihn wieder rausbekommen. Tim half uns den ganzen Tag mit seinem Erfindergeist, Organisationskünsten und seiner Durchzugskraft. Danach wurde der Horst Leitner vom Spindelberger angerufen, welcher sogleich ein Ersatzschloss auf den Weg schickte. Dann haben wir uns noch eine Pizza im Restaurant gegönnt und auf noch ein paar Meter mehr Basishöhe gewartet, damit unsere Turbofliegerei auch sicher wird. Wir wollen ja in 400 m über Grund spätestens den Motor zünden. Leider wurden wir kalt von einem dicken Gewitter erwischt, das von den Vogesen nach Südwesten über den Platz zog und den Platz in eine Lache verwandelte. Also mussten wir nochmal lange warten, bis dass die Thermik wieder einsetzte und der Platz wieder abtrocknete. Um halb vier wurden wir langsam nervös und wagten einen Schlepp, schließlich wollten wir noch ein paar Kilometer Richtung Süden zur Wende Hütten-Hotzenwald gutmachen. Tim machte sich sofort auf den Weg zurück nach Stuttgart, er musste ja noch einen Teil der durch uns draufgegangenen Arbeitszeit nachholen. Leider war die Luft im Schlepp hinter dem Gewitter verdächtig ruhig. Nach dem Ausklinken nur abgleiten in toter Luft. Erst knapp über Positionshöhe kam das erste Zucken. Vooorsichtig einkreisen. Immerhin ein unrunder Nullschieber. Nach einigen Minuten waren 50 m gutgemacht. Der musste doch stärker werden haben wir gedacht, je länger die Sonne drinsteht. Aber nach ein paar Minuten ließ der Bart wieder nach und wir mussten landen. Nach dem Landen haben wir lange überlegt, ob wir nochmal starten, oder den Tag neutralisieren. Am Himmel nach Süden, wo wir hinmussten, gabs noch immer kein Thermikanzeichen. Nach Norden sah es gut aus. Dass die Konkurrenz also aufholen würde war klar. Aber ohne Thermik eben kein Segelflug. Also neutralisierten wir und halfen wir Erich beim Putzen der Remo und verbrachten den Nachmittag auf der Veranda vor dem Clubheim. Erich taute langsam auf und wir tauschten tolle Anekdoten von Höhenflügen in den Alpen und wilden und lustigen Geschichten nach irgendwelchen Außenlandungen aus. Danach kam noch ein Duo Discus T von der Euroglide und landete nach einigen Minuten Kampf auch am Flugplatz. Am Abend kamen noch VAT und Welle, zwei unserer Freunde aus der Akaflieg Karlsruhe vorbei, die sich auf dem Weg zur Atlantikküste nach Frankreich befanden. Zum Abendessen waren wir wieder im Flugplatzrestaurant. Nebenan spielten zwei Kinder, denen Jona erzählt hatte, dass sie sich mal ins Flugzeug setzen dürfen. Sie waren vollauf begeistert und nervten ihre Eltern fortan, wann sie denn endlich ins Flugzeug dürfen. Nachdem wir gegessen hatten, gingen wir mit den beiden Kids und ihrem Papa zum Flieger und setzten sie rein. Die Begeisterung ist ihnen von den Augen abzulesen. Wir fanden schnell heraus, dass der Vater hat wie Jona auch in Aachen studiert hat und einige der Professoren von der Fachhochschule gut kennt, mit denen Jona zusammenarbeitet. Der Abend klingt im Flugplatzrestaurant bei einer kleinen Strategiesession aus. Morgen müssen wir ins Ziel, soviel ist klar. Es sind noch ca. 550 km, von denen wir noch 130 km abkürzen oder mit dem Motor überbrücken dürfen. Lima Zulu hat wohl dank etwas mehr Displacement – Kilometern den Wendepunkt „virtuell“ umrunden können und es dank gutem fliegerischem Können und seinem FES-Antriebssystem geschafft, sich nach Norden ins gute Wetter zu mogeln und nach Venlo zu fliegen. Wir gratulieren und ziehen den Hut vor der fliegerischen Leistung! Wir liegen aber immer noch auf Platz 2, aber die Konkurrenz sitzt uns im Genick. Die Wetterprognosen für morgen sahen gestern noch ganz gut aus, aber wurden heute Abend zurückkorrigiert. Es bleibt also immens spannend!

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Bauinspektion AK-X
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Der Rumpf des Nurflüglers AK-X
Vor der Werkstatt der Akaflieg Karlsruhe
Aufrüsten in Oos

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Euroglide 2018, Tag 4: Schachzug

Heute war oder ist definitiv der ereignisreichste Tag der Euroglide. obwohl wir nur 20 min geflogen sind. Wir sitzen gerade bei unserem Kumpel Tim Henzler im Auto bei leichtem Regen auf dem Weg von Bartholomä nach Karlsruhe. Hinter uns hängt ein wildfremder ASH-Hänger mit der „India Mike“ drinnen. Wie es dazu gekommen ist, lest ihr in den nächsten zehn Minuten.

Heute Morgen sind wir in Blaubeuren in unserem Hotel bei 8/8 Stratus aufgewacht. Wir liegen derzeit in unserer Klasse auf Platz 2 hinter dem „Lima Zulu“, der knapp 80 km vor uns ist. Unsere Hoffnung war, dass wir heute ganz früh starten und noch ein paar Kilometer Richtung Wende gut machen können. Aber es blieb bei 8/8, dazu kam leichter Regen. Bald kam der Flugplatzopa, sein Name ist Henry vorbei. Er war gestern ziemlich knorrig, aber irrsinnig hilfsbereit. Schlüssel fürs Vereinsheim, warme Dusche, Kabeltrommel zum Flugzeugladen, eine Halbe Bier pro Mann – alles kein Problem, kein Wunsch blieb offen. Wir haben den Flieger noch startklar gemacht und an den Start gestellt, sowie für die erwarteten Regenschauer mit ca. 100 m Nitto abgeklebt, damit kein Wasser reinläuft. Nachdem uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, haben wir beschlossen, einen gemütlichen Tag zu machen. Henry hat uns empfohlen, zum Blautopf und in ein Museum zu gehen, was wir auch machen wollten. Der Regen wurde allerdings stärker, sodass wir keine Lust mehr hatten, unsere einzigen Klamotten und Schuhe auf der ¾ stündigen Wanderung hinunter in die Stadt klatschnass zu machen. Also beschlossen wir, den Tag auf der Strategiehochburg, dem Flugplatztower zu verbringen und eine Strategiesession abzuhalten, wie man in den nächsten Tagen um die Wende am Hotzenwald kommen würde. Die Aussichten für morgen sind mau, aber es besteht noch Hoffnung auf ein kleines Wetterfenster. Wir haben uns zunächst damit abgefunden, auch den morgigen Tag noch in Blaubeuren abzusitzen. Die Konkurrenz hinter uns würde heute zwar bis knapp zu unserer Position vorrücken können, uns aber wegen des schlechten Wetters nicht einholen können. Also wenn wir hier bleiben würden, wäre alles gut, wir würden nur nichts aufholen. Auf dem Tower wurden alle möglichen Wetterkarten von verschiendenen Wetterinfoanbietern studiert. Langsam wurde klar, dass morgen die einzige Hoffnung auf fliegbares Wetter im Westen besteht. Dort soll es sogar eine potentielle Flugdistanz von knapp 400 km geben. Alles östlich davon soll absolut unfliegbar sein. Dann kam Brezn plötzlich die zündende, aber gänzlich verrückte Idee. Wir organisieren uns von irgendwo her einen ASH 25 Hänger samt Fahrer, fahren damit zu unseren Freunden der Akaflieg Karlsruhe, starten von dort aus und fliegen so knapp wie möglich zur Wende zum Hotzenwald im Südschwarzwald. Danach wieder nach Norden Richtung Venlo, um möglichst viele km zum Ziel zu fliegen. Brezn hat dann Matthias Schunk geschrieben, um einen Hänger irgendwo auf der Alb zu organisieren. Schnell war die ganze süddeutsche Segelfliegerschaft über alle möglichen Whatsapp – Channels verrückt gemacht worden. Auch Henry wurde in unseren verrückten Plan eingeweiht. Schnell haben wir festgestellt, dass wir mit Henry, obwohl er schon 80 Jahre alt ist, völlig auf einer Wellenlänge sind. Erst haben wir ihm durch einen „Schmäh“ einen kleinen Lacher entlocken können, kurz danach hatten wir Gaudi pur. Er hat gemerkt, dass wir richtige Segelflieger und ganz lockere Typen sind. Und so flossen die Geschichten und Anekdoten. Nebenher wurde heftig telefoniert, geWhatsappt und getelegramt. Die 4P Crew war auch in der Luft und auf dem Weg nach Westen. Kurzerhand wurde die Bodenseite von „Mission Control“ von Brezn und Jona unterstützt, wir hatten sogar kurz Funkkontakt vom Tower aus. Wir schickten Radar- und Satbilder sowie Flugplatz- und Strategieempfehlungen. Brezns Freund Tim Henzler hat kurz per Whatsapp unverbindlich angefragt, ob er nach Blaubeuren auf ein Bier vorbeikommen soll. Brezn hat ihn ganz unverschämt gefragt, ob er uns nach Karlsruhe bringen könnte. Tim ist Spediteur, irsinnig cool drauf und für jede verrückte Aktion zu haben. 20 Sekunden später hat Tim zugesagt. Problem nur: Wir hatten noch immer keinen Segelflugzeuganhänger, in den die ASH 25e reinpasst. Tim hatte die Idee, wen aus Bartholomä, Tims Heimatflugplatz und dem Flugplatz der Akaflieg Stuttgart zu fragen. Sein Name ist „Fidde“, er hat den Flugplatz dort aufgebaut. Geneigten Lesern sei das Buch der Akaflieg Stuttgart empfohlen. Seine Leistungen sind wohl unbeschreiblich, alles dort ist irgendwie auf seinem Mist gewachsen. Er ist mittlerweile über 90 Jahre alt. Außerdem besitzt Fidde eine ASH 25 Mi, in deren Hänger unsere „India Mike“ reinpassen müsste. Aber Fidde war nicht zu erreichen, obwohl Tim alle Telefonnummern und Emailadressen hat. Endlich hat Tim Fiddes Frau erreicht und zumindest die Zusage gehabt, dass Fidde zur „Veschper“ am Abend nach Hause kommt. Also, die Chancen auf den Hänger waren nicht bei 100%, aber gut. Wir beschlossen, im Flugzeugschlepp die 40 km nach Bartholomä zu fliegen, um die Aktion etwas zu beschleunigen. Wir hatten aber noch immer keine Zusage für einen Hänger. Doch jetzt zog wieder ein Regenschauer über den Platz. Also noch warten. Danach wurde es wieder trocken – also los. Wolkenuntergrenze ca. 300 m über Grund. Das müsste doch gehen für diese doch kurze Strecke mit vielen Flugplätzen auf dem Weg. Wir machten uns startklar, eine halbe Stunde später hingen wir hinter der Blaubeurer Remo auf dem Überlandschlepp nach Bartholomä im Schauerslalom. Wir sahen den Platz erst, als wir direkt darüber waren. Allerdings waren wir auch nur 200 m über Grund hoch, aufgrund der tiefen Wolken. An der Position geklinkt ging es direkt in den Anflug. Bei leichtem Regen rollten wir in Bartholomä aus und rollten direkt auf den Stellplatz von Tims Wohnwagen zu, dessen Koordinaten er uns vorher per Whatsapp geschickt hat. Tim erwartete uns schon und filmte unsere Landung mit dem Handy. Es folgte eine herzliche Begrüßung voller Lachen. Zuerst mal in aller Ruhe einen Kaffee trinken. Danach mussten wir den Hänger klarmachen. Also ab ins Auto und zu Fiddes Haus in der Nachbarschaft vom Flugplatz fahren. Wir haben schon eine Flasche Schnaps als „Bestechungsgeld“ vorbereitet und stellten uns auf ein schwieriges Gespräch ein, in dem wir mit Engelszungen um den Hänger betteln müssen. Aber es kam ganz anders. Eine total freundliche Frau öffnete uns die Tür. Kurz danach kam Fidde, wir stellten uns und unser Vorhaben vor. Er fand das sofort cool und war live dabei. „Klar, rüstet die 25, die im Hänger drin steht auf und nehmt den Hänger“ meinte er. Jona gab ihm dann trotzdem noch die Flasche Bestechungsschnaps. Wir fragten uns, wie man mit über 90 Jahren so topfit sein kann und was das Geheimrezept dafür sei. Wahrscheinlich ist es, niemals zu leben aufzuhören und so weiterzumachen, als ob man 150 werden würde. So macht es auch Fidde, er hat im letzten Jahr noch komplett eine neue Winde für den Flugplatz gebaut. Nach diesem erleichternden Gespräch sind wir fast euphorisch zurück auf den Flugplatz. Die ASH im Hänger war schnell innerhalb von 45 min aufgerüstet. Währenddessen wurde heftig versucht, einen Schlepp in der Nähe von Karlsruhe zu organisieren. Danach wurde der Hänger zu unserer „India Mike“ gezogen. Wir rüsteten ebenso schnell ab. Als wir den Anhänger anhängen wollten, stellten wir fest, dass dieser nur einen alten Neunpoligen Stecker für die Beleuchtung hatte, Tims Auto aber klarerweise eine moderne 13-Polige Steckdose am Auto. Das war ein mega Showstopper für unser Vorhaben, denn ohne Adapter können wir nicht Nachts nach Karlsruhe fahren. Nur war weit und breit kein Adapter verfügbar. Tim fuhr also erneut zu Fidde und fragte nach einem Stecker. Fidde hatte leider keinen, aber sein Freund „Mini“ hat einen in seiner Hütte am Flugplatz, der war allerdings nicht da.Aber Fidde hat einen Schlüssel. Mini hat Tim aber millimetergenau per Telefon durch die Hütte gelotst, tatsächlich wars genau ein Handgriff, dann hatte Tim den dringend benötigten Adapter in der Hand. Währenddessen saßen wir in Tims Wohnwagenvorzelt und versuchten weiter einen Flugzeugschlepp zu organisieren. Eine 90% Möglichkeit in Baden-Oos konnte arrangiert werden. Als Alternative gibt es eine Windenstartmöglichkeit in Rheinstetten, dankenswerterweise organisiert von der Akaflieg. Endlich war alles startklar. Tim kochte uns noch Nudeln mit Pesto, was hervorragend schmeckte. Danach ging es ab nach Karlsruhe. Und so sind wir jetzt auf der Autobahn. Wir melden uns morgen wieder, danach werden wir wissen, ob unsere völlig verrückte Aktion zum Erfolg führen wird. Wir ziehen unseren Thermikhut vor der unglaublichen und unbezahlbaren Hilfsbereitschaft aus dem Schwabenländle, hervorgehoben in der Person von Henry Krais und Tim Henzler. Mit Geld absolut unbezahlbar! Bis morgen!

Jona und die Mädls

Prognose für morgen. Position: Kullispitze
Auf dem Tower in Blaubeuren mit Herni
Unmittelbar vor dem Start in Blaubeuren
Im Schlepp
Endanflug Bartholomä
Tims Vorzelt
Fehlt noch der Anhänger umd die beiden zu verbinden
Jona, Fidde und Lisl, Tim
Da is er..

Euroglide 2018, Tag 3: Mission Control

Flug

Panoramafenster geöffnet
Erdmännchen: Runwaycheck?

Die Wolken locken weit im Süden
Flugplatz Hosin (WGC 2018)

Richtung Jonas Heimat Deggendorf
Großer Arber

Bayrischer Wald
Nördlingen – mittelalterliche Altstadt
Ab in die tote Luft nach Süden von Nürnberg aus
Blaubeuren

Heute morgen ging es nach dem Aufstehen zügig los. Denn wir mussten noch einen Schlepppiloten organisieren. Gestern landeten wir so spät – um 9 Uhr Abends, dass nur mehr einer vom örtlichen Verein da war, uns aber kein Schleppflugzeug mit Schlepppilot organisieren konnte. Am Morgen sind wir deshalb gleich in das örtliche LTB gegangen, in dem offensichtlich sehr sauber gearbeitet wird. Wir haben jemanden im Blaumann gefunden. Er konnte aber weder Deutsch noch Englisch und war wohl einer der Werker dort. Fünf minuten später kam er mit einem Dolmetscher zurück. Er war sehr bemüht, uns mit der Schleppmöglichkeit zu helfen. Es gab eine 100 PS-Dynamic, eine Maule und eine Pawnee am Platz. Mit letzteren beiden wären wir locker aus dem Platz gekommen, der von Hügeln ungeben war und eine 700m Grasbahn hatte. Danach kam noch jemand, der gut Englisch konnte und so übersetzen konnte. Er heißt Vaclav. Sofort wurde uns sehr hilfsbereit unter die Arme gegriffen. Wir bekamen Luftrauminfos en masse und es wurde sogar mit den Brünner Controllern telefoniert. Nur die Schleppmaschinensituation änderte sich nicht. Es blieb bei der 100 PS-Dynamic. Na gut, dann probieren wir das. Es stellte sich heraus, dass der Mann im Blaumann, der weder Deutsch noch Englisch konnte unser Schlepppilot sein würde. Na gut. Immerhin war erstmal alles geklärt. Also mal Duschen ins Flugplatzgebäude (wo komische Menschen herumhingen). Wir hatten schon unsere letzten Klamotten an, heute Abend ist Waschtag. Danach ins Flugplatzrestaurant zum Frühstück, der Wirt war schon da. Wegen Verständigungsschwierigkeiten deuteten wir zweimal auf die Karte und bekamen je eine dicke Wurst mit Brot zum Frühstück. Einen Kaffee bekamen wir auch noch. Und zudem wurden wir von den 4P-Jungs dazu eingeladen, danke dafür! Die 4P Jungs wollten auch geschleppt werden und ließen uns sogar den Vortritt. Wir luden die 4P – Jungs noch in unsere Chatgruppe ein, die von Holle passenderweise in „Mission Control“ umbenannt wurde. 4P ist also jetzt auch unter der Supervision von „Mission Control“. Wir zogen die Flugzeuge an den Start. Aber der Schlepppilot kam nicht um 11, wie wir vereinbart hatten. Langsam wurden wir Nervös, weil die ersten Wolken am Himmel zu sehen waren. Endlich, mit einer guten halben Stunde Verspätung kam die Schleppmaschine. Er hatte allerdings noch 4 Jungs zum Anschieben dabei. Ansichts des kurzen Platzes eine gute Idee, wahrscheinlich hats deshalb so lange gedauert. Aber es geht ja bergab, deshalb sollts schon gehen. Also los. Das Anrollen dauerte eeewig lange. Danach hob zuerst die Dynamic und dann wir ab. Knapp über die Stromleitung drüber und vor den Häusern und dem Hang weg. Puh, das war nicht viel Luft nach unten. Nach dem Ausklinken mussten wir sofort mit Brünn Radar Kontakt aufnehmen, um überhaupt steigen zu dürfen. Aber wir durften. So ging es unter den ersten Wolken mit gutem Steigen nach oben. Danach wurde es zusehends blau und die tragenden Linien wurden zu Sauflinien. Die Bärte standen weit auseinander und die Steigwerte waren nicht so prickelnd. Zudem lasen wir über „Mission Control“, dass sich der Schlepppilot verständlicherweise weigerte, die noch etwas schwerere 4P zu schleppen. Sie organisierten eine Husky vom Nachbarverein – immerhin. Bei uns ging es durch die Tschechische Ebene nach Osten richtung Heimat. Nach einiger Zeit war Hosin in Sicht, wo in wenigen Wochen die Segelflug-WM stattfinden wird und Brezn am OSTIV-Congress, einer wissenschaftlichen Konferenz für segelflugrelevante Forschung teilnehmen wird. Budweis war direkt daneben zu sehen. Auch der Flugplatz Eferding nahe Linz in Öberösterreich, an dem Brezn zu fliegen gelernt hat wäre theoretisch in Endanflugreichweite gewesen. Aber wir wollten ja weiter richtung Westen nach Hütten-Hotzenwald im Südschwarzwald. Über der Sumava und dem Bayrischen Wald standen dann wieder die ersten Wolken. Der Einstieg stellte sich als sehr schwierig heraus. Zunächst waren wir sehr tief, sodass die taktischen Optionen schon knapp wurden. Dann fanden wir doch einen schwachen, nochdazu unrunden Aufwind. Danach gings wieder etwas besser, aber sehr breitgelaufen und dunstig. So flogen wir über dem Bayrischen Wald zum großen Arber und weiter nach Arnbruck. Über „Mission Control“ kamen die ganze Zeit schon Gewitterwarnungen mit Radar und Satellitenbildern, was uns immens half die Situation einzuschätzen und die Schauer zu umfliegen. Der weitere Weg würde sehr schwierig werden, wenn wir nicht von Schauern und Gewittern an den Boden gezwungen werden wollten. Wir entschieden uns für die Nordroute um den Militärflugplatz Hohenfels herum. Die Wetteroptik wurde wieder etwas besser und die Basis stieg deutlich an. Jona konnte bei München Radar eine Freigabe erwirken, sodass wir den Nürnberger Luftraum kreuzen durften, was Wettertechnisch ein großer Vorteil war. Wir kurbelten nochmal auf die größte Höhe des Tages auf knapp 2900 m. Danach kam nichts mehr, auf Kurs war offensichtlich nach einem Gewitter alles tot und eine dicke Abschirmung am Himmel. Aber wir waren hoch und konnten mit unserem Dickschiff gleiten. Am Horizont waren auf der Schwäbischen Alb schon wieder Entwicklungen zu sehen. Aber das würde nicht reichen, wenn wir unterwegs nicht ein paar 100 m steigen können. Aber leider war die Luft tot und so mussten wir nördlich von Nördlingen den Motor starten. Wir flogen zum Flugplatz Aalen, wo wir schon einige mal beim Idaflieg-Sommertreffen waren, mit der festen Absicht, dort zu landen. Es war schon 18 Uhr. Aber eine Kondens am Weg dorthin wollten wir noch im Motorlauf ausprobieren. Es stieg! Zwar nur leicht, aber immerhin. Also Motor aus und hoch. Aber das Abkühlen der „Most reliable Engine“ (in the world), unseres 24 PS Zweitakt Rasenmähermotor dauert sehr lange und macht eine Menge Luftwiderstand. Aber der Bart ging auch danach noch, und so konnten wir ein paar hundert Meter ersteigen. Genug um Anschluss an die Wolken bei Aalen zu bekommen. 10 km südlich Aalen standen ein paar Schauer, deren zur Sonne gewandte Westseite noch aktiv schien. Aber wir wurden ordentlich heruntergewaschen, Regen inklusive. Also zurück und nochmal Anlauf nehmen. Laut Reglement mussten wir eine Stunde oder 50 km fliegen, dass der Flug nach dem Motorlauf als Wertungsflug zählt. Also kämpfen! Zurück im Bart bei Aalen konnten wir nochmal auf 900 m über Grund steigen. Das brachte uns am Schauer vorbei zur nächsten Entwicklung. Südlich der Stadt Aalen konnten wir nochmal auf 1800 m steigen und Blaubeuren kam in Reichweite. Im Endanflug gabs nichts mehr und so landeten wir nach Acht Stunden Flugzeit in Blaubeuren. Ein sehr schöner Flugplatz. Holle hat uns noch im Flug auf der Webcam ausmachen können.

Webcamscreenshot von Holle, wir sind unter der kleinen Wolke links oben

Zum Glück war noch jemand am Platz beim Modellfliegen. Es stellte sich heraus, dass er auch Segelflieger ist. Danach kam noch einer der Flugplatzopas und ließ uns keinen Wunsch offen. Die Heizung wurde angemacht, sodass wir warm duschen konnten, sogar ein Bier wurde uns zur Verfügung gestellt. Auch bekamen wir eine Kabeltrommel zum Flugzeug gelegt, damit wir unsere Akkus laden können. Wir bekamen sogar einen Schlüssel fürs Vereinsheim. Wir ließen uns eine Familienpizza kommen und futterten diese vor dem wunderschönen Vereinsheim auf der Sitzbank. Den Tag schlossen wir mit einem ausführlichen Debriefing und einer Wettervorschau für morgen ab. Denn die nächsten Tage werden spannend – es soll schon sehr früh am Tag gewittrig werden.

Danke wieder einmal an unsere „Mission Control“ Holle, ohne dich hätten wir den Schauerslalom nicht geschafft. Und an die 4P – Crew für die Gaudi in Brünn und die Großzügigkeit und Hilfsbereitschaft bei Frühstück und F-Schlepp.

Euroglide 2018, Tag 2: Die letzte Stunde gehört uns…

Flug

Der Tag war so ereignisreich, dass wir gar nicht wissen, wo wir anfangen sollen. Zunächst in Neu-Gülze alles aufräumen und nochmal ein Glaslfleisch mit dem Brotrest frühstücken. Dank Matthias gabs auch einen Kaffee. Es mangelte uns an nichts, auch eine Dusche war vorhanden. Der Schleppbetrieb ging etwas zögerlich los, es waren schon die ersten Ablösungen spürbar und die anderen Crews wollten noch immer nicht los. Als Schleppflugzeug kam vom

Nachbarplatz ein etwas untermotorisiertes UL. Gleich beim ersten Schlepp wurde fast die Fläche abgelegt. Aber nicht vom Segelflugzeug, sondern vom Schlepp-UL. Aber vom Steigwinkel ging es ganz ok raus, problemlos über die Häuser drüber. Wir waren natürlich als letztes dran, dank des Reglements, wonach Flugzeuge mit hohem Segelflugindex als letzter starten müssen. Zu allem Überfluss hat der letzte vor uns noch die Sollbruchstelle mit Ringpaar abgerissen. So standen wir ohne Schleppseil bei bestem Wetter am Boden. Zum Glück konnte Matthias noch ein weiteres Schleppseil autreiben (DANKE!!). Um 12 Uhr mittags starteten wir in bestes Wetter. Den ersten Bart mussten wir noch etwas anrühren, aber dann gings mit über 100 km/h Schnitt und etwas Rückenwind Richtung erste Wende Güstrow bei Schwerin. Zu sehen war der Schweriner See und im Norden am Horizont die Ostsee.

Schweriner See und Ostsee im Hintergund

Danach entschieden wir uns nicht wie (alle?) andern auf der direkteren Linie östlich um Berlin herumzufliegen, sondern wegen der bekannt guten Bedingungen am Fläming gingen wir westlich herum. Wir wurden mit guten Steigwerten und Aufreihungen belohnt, was uns schnell nach Süden voranbrachte. Und so flogen der zweitgrößte See Deutschlands, die Myritz, Brandenburg an der Havel und so klingende Flugplatznamen wie Stölln, Kammermark und Lüsse unter uns durch. Berlin war am Horizont zu sehen. Am Fläming brannte dann die Luft. Wir trafen auf den Hauptpulk des Qualiwettbewerbs von Lüsse, was uns zwar einen guten Schnitt, aber auch viel Stress im Cockpit wegen viel Verkehrs bescherte. Danach wurde es wieder blau. Wir flogen wie vor zwei Jahren wieder die dicken Kohlekraftwerke in der Lausitz an, die aber nicht das erhoffte Steigen brachten. Aber die Naturthermik war stärker und brachte uns wieder auf eine sagenhafte Höhe von 2500 m über Grund. Danach kam eine etwas traurige Stimmung auf im Cockpit, denn wir flogen am Flugplatz Rothenburg bei Görlitz, dem Paradies von Heinz Storch vorbei, der uns bei der letzten Euroglide so herzlich aufgenommen hat (siehe Blogbeitrag von der letzten Euroglide). Leider ist Heinz Anfang des Jahres verstorben, wie wir aus dem Aerokurier erfahren hatten. Heinz schickte uns nochmal einen Hammerbart hoch und so ging es an der deutsch-polnischen Grenze nochmal auf Maximalhöhe von 2500 m. Die schöne Altstadt von Görlitz war zu sehen. Danach wurde es etwas schwieriger, wir flogen nahe des Riesengebirges, welches vermutlich etwas abgesaugt hat. An einer Euroglide 2016-Station ging es noch vorbei, und zwar Jelenia Gora oder auf deutsch Grunau. Wir konnten auch den Landeplatz am Berg erkennen. Leider haben wir kein Foto gemacht, weil wir immer tiefer kamen. Auch eine kleine Rauchfahne am Hang wollte kein richtiges Steigen bringen. Und so mussten wir uns noch ein bisschen weiter mogeln, bis wir echten Anschluss im Riesengebirge bekommen konnten. Im langsamen, vorsichtigen Galopp ging es dann Richtung Südosten, Richtung zweiter Wende Frydland bei Ostrava (Ostrau) in Nordosttschechien, fast direkt an der slovakischen Grenze. Die Wolken sind Richtung Ostrava sogar breitgelaufen, was die Steigwerte auf knapp einen Meter pro Sekunde drückte. Jona holte bei Ostrava Radar eine Generalfreigabe, um wild im Luftraum herumoperieren zu dürfen. Langsam lief auch der Endanflugrechner ins positive, und so waren wir zuversichtlich, die zweite Wende zu erreichen. Kurz vor Frydland fanden wir noch 1-2 schwache Bärte unter 1 m/s, die uns in mehr als sichere Endanflugreichweite brachten. Auch Hranice kam langsam in Reichweite, ca. 40 km weiter. Jetzt war unsere „Mission Control“ – Holle auf Hochtouren und screente alle Flugplätze in der Umgebung nach Schleppmöglichkeit, Stromversorgung, Aktivität und ging der Frage nach, wer von unserer Konkurrenz schon wo gelandet ist. Dass es nach Hranice ein ein knapper Endanflug werden würde war klar, die Luft war schon ziemlich tot und wir waren schon sehr tief. Auf halber Strecke nach Hranice konnte Brezn noch zwei Mähdrescher ausmachen, die eine Rauchfahne in den Himmel steigen ließen. Das brachte dann doch nochmal satte 1,5 m/s, und das schon kurz nach 19 Uhr und ziemlich weit im Osten mit früherem Sonnenuntergang. Auch der Lotse spielte mit und ließ uns weiter steigen. Allerdings mussten wir den Bart frühzeitig wegen eines Abflugs eines Jets verlassen. Jona konnte nochmal zwei Minuten beim Lotsen nett erfragen. Jetzt waren wir nicht nur Hranice save, sondern auch Vyskov kam in Reichweite, nochmal knapp 40 km weiter. Das LX sagte, dass wir an der Stelle schon über 800 km geflogen sind. Als wir über dem Flugplatz waren sahen wir alte Tupolews und MIGs. Die alte Militärpiste wurde in die Autobahn integriert, ein sehr interessanter Anblick. Der eigentliche Flugplatz war nun die alte Rollbahn und eine Graspiste. Wir wollten noch ein paar km über den Flugplatz rausfliegen, um die 900 km vollzumachen. Mittlerweile war es schon nach 20 Uhr. 10 km weiter war noch ein kleines Lagerfeuer, das nochmal eine Rauchfahne in den Himmel schickte. Dort angekommen konnten wir nochmal einen halben Meter pro Sekunde anrühren. Wir fragten Holle über Handy, eher im Scherz, wie es mit Schleppmöglichkeiten und Betrieb in Medlanky, direkt am Brünner Stadtrand aussieht. Mit der Meldung „kein Betrieb, außer die 4P steht dort, aber die ist ein Eigenstarter“. Die 4P Crew! Die waren schon auf der letzten Euroglide soo lässig drauf, als wir mit denen in Jelenia Gora und in Hamm waren. Da müssen wir hin! Und so gaben wir alles, um die letzten Meter auszulutschen. Medlanky kam in (knappe) Endanflugreichweite. Mit so einem offene Klasse-Schiff sieht das nochmal grausamer aus, so ein flacher Endanflug. Noch kurz den Platz aus der Luft inspiziert und sogleich gelandet, es war schon kurz vor 21 Uhr. Peter vom hiesige. Aeroclub hat uns sofort seine Hilfe angeboten und unser Dickschiff mit seinem Auto vom Platz gezogen. Und so sitzen wir jetzt hier in Brünn im Flugplatzrestaurant und trinken mit den vier Papas bei einen netten Exclusivabend ein Bier. Morgen müssen wir uns gleich morgens um einen Schlepper kümmern.

 

Industriethermik? leider nein..
Heinzs Paradies – Rothenburg Görlitz
Riesengebierge
Cockpitstimmung
Endanflug über Brünn
4P und IM wieder vereint
4P ab jetzt auch unter Mission Control

Euroglide 2018, Tag 1: Das Glück am Horizont – Wolken südlich Hamburg

Flug

Heute morgen ist Jona wegen vergessener Schlafbrille kurz nach 4 Uhr morgens aufgewacht. Deshalb konnte er direkt wunderschöne Sonnenaufgangsbilder aus unserem Hotelfenster machen.

Danach kurz Zähneputzen mit Wasser aus dem Camelbag und ab ins Grid. Vor dem Briefing konnten wir noch kurz duschen. Allerdings haben wir nur etwa eine walnussgroße Menge Duschgel dabei, es heißt also gut haushalten. Beim Briefing wurde bekanntgegeben, dass im Uhrzeigersinn geflogen wird, also zuerst nach Güstrow. Für ein echtes Frühstück blieb leider keine Zeit. Aber wir haben ja genug Studentenfutter dabei, in Kombination mit einem Pumper-Eiweißriegel reicht das für ein ausgewogenes Frühstück im Fluge. Der Start zog sich dann ein bisschen, 3 Pawnees für 70 Flugzeuge braucht halt ein bisschen.

Grid

So kamen wir als einer der letzten auf Strecke, es gibt ja bei der Euroglide keinen gemeinsamen Abflug. Es war alles Blau, aber Steigwerte und Arbeitshöhe waren ganz passabel. So kamen wir ohne große Fehler, aber nicht allzuschnell bis zur ersten Wende bei Lemelerveld in den Niederlanden voran, wir mussten uns ja erstmal einfliegen. Am Horizont war die Nordsee zu sehen.

Venlo – Lemerveld

Ab der Wende wurde es dann fies. 30 km/h Gegenwind und Blau sind nicht die Zutaten für feines Segelflugwetter. Anfangs wars noch ganz gut, aber dann sind wir in die Falle eines Feuchtmoores bei Nordhorn getappt. Nur Saufen Leeseits des Moores. Also mussten wir den Motor anwerfen, was zum Glück einmal pro Wertungstag erlaubt ist. Wir stolperten dann mit laufendem Motor direkt in einen Bart. 400 m höher musste der Motor wieder abgestellt werden, um keine Bonuskilometer zu verbrauchen. Man darf nämlich je nach Segelflugzeugindex einen Teil der Strecke im F-Schlepp oder mit dem Motor zurücklegen. In unserem Fall sind es 190 km. Naja, kurz abschütteln und in einer etwas langsameren Gangart weiter. Einmal waren wir dann nochmal hart an unserer „Motorschmeissgrenze“ vom 400 m über Grund. Aber Brezn hat noch einen Bart ausgegraben, weshalb er von Jona ein Bussi nach dem Flug versprochen bekam . Jona konnte dann auf dem weiteren Weg nach Osten eine Freigabe bei Bremen Radar einholen, wir konnten fast auf beliebigem Weg durch den Bremer Luftraum schippern. Und so ging es an Bremen vorbei – langsam kam Hamburg in Sichtweite. Die Steigwerte wurden langsam schwächer, langsam mussten wir ans landen denken. Bis Höpen bei Schneverdingen sollte es reichen, dachten wir. Aber dadurch waren wir ja schon am Rand der Lüneburger Heide. Die Heide spuckte auch noch ein Bärtchen aus und brachte uns zurück von 600 m über Grund auf 1500 m.

Tatsächlich Wolken

Der Weg zumindest bis Lüneburg war frei. Auf dem Weg dorthin löste um 20:15 ein Mähdrescher einen Bart aus, der in die erste Wolke des Tages mündete und uns nochmal knapp 1,5 m/brachte. Ein wunderbarer Moment so spät Abends, zumal wir auch die Nordsee im Westen gülden leuchtend sehen konnten. Dieser romantische Moment verannlasste uns unser „Deppenzepter“ (Selfie Stick mit GoPro drauf) das erste Mal auszupacken und ein paar Fotos zu schießen, von denen ihr euch hier eins anschauen könnt.

Dieser herrliche Abendbart ermöglichte uns einen Abstecher zur Akaflieg Hamburg nach Neu Gülze an der Elbe zu machen.

Elbquerung

Dort rollten wir kurz nach 9 Uhr Abends aus. Ein freundlicher Belgier half uns den Flieger aus dem Landefeld zu ziehen und bot uns gleich Strom zum Laden der Akkus an. Unser Hotel war auch schnell aufgebaut. Nach dem Putzen war der Flieger versorgt. Als Abendessen wollten wir uns unser „Glaslfleisch“ mit je einer Scheibe Brot gönnen. Als wir zum Clubheim gingen war dieses offen und die Holländer und Belgier bejubelten den belgischen Sieg bei der Fussball-WM. Dazu gab es Pizza und Burger, wir bekamen leuchtende Augen. Auch Matthias von der Akaflieg war da und hat uns ganz freundlich aufgenommen. Sogar ein Weissbier hatte er für uns. Die Teams aus Belgien boten uns danach sogar zwei ihrer Burger an, was wir dankend annahmen. Und so sitzen wir jetzt beim Lagerfeuer und lassen den Tag ausklingen.

Danke einmal mehr an Holle für den grandiosen Groundsupport!

 

Neu Gülze
Heiligenschein?